Tierarztpraxis

Dr. med. vet. Klaus-Peter Schwesig: Tel. 05231 - 34 21 8

Kühlakkus schmecken lecker, sind aber lebensgefährlich !

Daß Kühlmittel süß schmecken, wissen manche noch aus dem "Weinpansch-Skandal" italienischer Weine. Das Frostschutzmittel Ethylenglykol konnte damals Gott sei Dank rechtzeitig entdeckt und die betroffenen Weine aus dem Verkehr gezogen werden.

Zur Aufnahme dieses hochgiftigen Alkohols kommt es oft durch spielerisches Herumkauen auf den Plastikakkus, die dann auslaufen. Dabei wird der süße Inhalt aufgeleckt und beim Tier über den Magen-Darmtrakt schnell resorbiert. Der Alkohol erreicht nach ca. 6 Stunden seine Maximum.   Wie bei einem Vollrausch zeigen sich bei Hund und Katze die ersten Symptome bereits nach einer halben Stunde !       

In dieser ersten Phase  der Vergiftung kommt es  häufig zu den bekannten Symptomen :  rauschähnliche Zustände mit Inkoordinationen und durch Schleimhautreizung zum Erbrechen. Im Gegensatz zum Menschen - mancher mag das bedauern - dauert dieser Zustand allerdings bis zu 12 Stunden an. Entsprechende Blutbildveränderungen lassen sich erst Tage später erkennen.

In  Phase 2  wird das Ethylenglykol in giftige Zwischenprodukte umgewandelt, die dann zu lebensbedrohlicher Übersäuerung mit Auswirkungen auf Herz- und Atemfunktion führen.

Phase 3 tritt bei der Katze schon nach 12 - 24 Stunden und beim Hund nach 36 - 72 Stunden ein. Sie ist gekennzeichnet durch Nierenversagen auf Grund von Kristallbildung in den Nieren.   Jetzt treten Krämpfe durch Nervenschädigungen ein.

Aus dem o.g. Gesagten ergibt sich die  Dringlichkeit der sofortigen Vorstellung des Tieres beim Tierarzt !

Die Schwierigkeit bei der Therapie besteht in der Unsicherheit der Bestimmung der genauen Menge des aufgenommenen Giftes, da auch eine Blutbestimmung hierfür ungeeignet ist
Es wird dann immer zuerst der Magen gespült, um die Schleinhautreizung zu beenden, und ein Gegengift gespritzt. Solange sich noch keine "Betrunkenheitssymptome" zeigen, kann davon ausgegangen werden, daß die aufgenommene Menge eher gering und nicht lebensbedrohlich ist.  Das Eingeben von Aktivkohle durch den Besitzer bleibt erfolglos, da sie keine Glykole bindet.
In schwierigeren Fällen der späteren Phasen werden zusätzlich begleitende Infusionen eingeleitet.

Zur Beobachtung sollte aber in der Tierarztpraxis eine stationäre Aufnahme erfolgen und nicht durch den Besitzer zu Hause, da beim Auftreten dieser Symptome der Besuch beim Tierarzt dann schon zu spät sein kann !!!